UWG: Wer einen regionalen Vollversorger schaffen will, muss auch die Urologie neu denken

UWG: Wer einen regionalen Vollversorger schaffen will, muss auch die Urologie neu denken

Mit der geplanten Fusion des Klinikums Wilhelmshaven und der Friesland Kliniken wird derzeit eine der wichtigsten gesundheitspolitischen Entscheidungen für unsere Region getroffen. Es geht nicht nur um die Zusammenlegung zweier Krankenhäuser, es geht vielmehr um die Frage, wie die medizinische Versorgung der Menschen in Wilhelmshaven und Friesland in den kommenden Jahrzehnten aussehen soll.

Die UWG Wilhelmshaven begrüßt das Ziel, ein leistungsfähiges gemeinsames Zentralklinikum aufzubauen. Ein Krankenhaus dieser Größenordnung muss jedoch den Anspruch haben, ein echter Vollversorger zu sein – mit einem breiten medizinischen Leistungsspektrum und hoher fachlicher Kompetenz.

Bereits in den Vorjahren stand das Klinikum Wilhelmshaven unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Nachdem der Rat zunächst zusätzliche Finanzmittel zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit bereitgestellt hatte, wurde im Dezember 2024 ein Sanierungskonzept beschlossen. Bestandteil dieses Konzeptes war unter anderem die Schließung der Urologie.

Die UWG hat diesem Sanierungskonzept seinerzeit nicht zugestimmt. „Bereits damals haben wir im Rat und den Gremien und später ebenfalls deutlich gemacht, dass die Schließung einer kompletten Fachabteilung aus unserer Sicht nicht der richtige Weg ist. Eine Urologie gehört nach Überzeugung der UWG zu den medizinischen Kernbereichen eines leistungsfähigen Krankenhauses“, so Frank Uwe Walpurgis, OB-Kandidat der UWG und Mitglied im Aufsichtsrat. „Dabei ging und geht es uns ausdrücklich nicht darum, die damaligen Entscheidungen pauschal zu kritisieren. Alle Verantwortlichen standen unter enormem wirtschaftlichem Druck und mussten schwierige Entscheidungen treffen. Diese Situation erkennen wir ausdrücklich an. Heute haben sich die Rahmenbedingungen jedoch grundlegend verändert.“

Mit der geplanten Fusion entsteht die Chance, ein modernes Zentralklinikum für die gesamte Region aufzubauen. Gleichzeitig verändert die Krankenhausreform die Anforderungen an die Krankenhäuser erheblich. Künftig wird die medizinische Versorgung stärker über Leistungsgruppen organisiert. Entscheidend ist dabei nicht mehr nur das Vorhandensein einzelner Abteilungen, sondern das enge Zusammenspiel verschiedener Fachdisziplinen.

Genau deshalb stellt sich heute die Frage neu, welche Fachbereiche ein regionales Zentralklinikum dauerhaft vorhalten muss. Für die UWG ist die Antwort eindeutig. Zu einem modernen Vollversorger gehören u.a. eine leistungsfähige Zentrale Notaufnahme, eine starke Innere Medizin, Kardiologie, Allgemein- und Unfallchirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin, Intensivmedizin, Onkologie sowie weitere spezialisierte Fachbereiche. Ebenso gehört dazu eine eigenständige Urologie.

Die Urologie behandelt längst nicht nur Erkrankungen der Harnwege. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Krebsmedizin, der Notfallversorgung und der Behandlung einer älter werdenden Bevölkerung. Sie arbeitet täglich eng mit der Onkologie, Radiologie, Anästhesie, Intensivmedizin und den operativen Disziplinen zusammen. Gerade diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist das Fundament eines modernen Krankenhauses.

Deshalb ist aus Sicht der UWG jetzt der richtige Zeitpunkt, die damalige Entscheidung zur Schließung der Urologie im Rahmen der Planungen für das gemeinsame Zentralklinikum erneut und ergebnisoffen zu bewerten. „Unser Ziel ist keine rückwärtsgewandte Diskussion darüber, wer damals Recht hatte. Das Ziel ist vielmehr, die bestmögliche medizinische Versorgung für die Menschen in Wilhelmshaven, Friesland und der gesamten Region sicherzustellen“.

Wer heute ein Krankenhaus für die nächsten 50 oder 60 Jahre plant, darf nicht nur fragen, welche Abteilungen heute Geld kosten. Er muss fragen, welche Medizin die Menschen morgen brauchen“, merkt Frank Uwe Walpurgis an. Deshalb fordert die UWG Politik, Verwaltung und die Verantwortlichen der beiden Kliniken auf, im weiteren Planungsprozess zu prüfen, wie die Urologie wieder Bestandteil des zukünftigen medizinischen Angebots eines gemeinsamen Zentralklinikums werden kann.

Die Bürgerinnen und Bürger unserer Region erwarten zu Recht ein leistungsfähiges Krankenhaus mit einer umfassenden medizinischen Versorgung. Dieses Ziel sollte bei allen weiteren Entscheidungen im Mittelpunkt stehen“, ergänzt Petra Stomberg, UWG-Fraktionsmitglied und ebenfalls im Aufsichtsrat.