Die Unabhängige Wählergemeinschaft Wilhelmshaven (UWG) sieht die jetzt genehmigte Einleitung von chlorhaltigem Prozesswasser aus dem zweiten schwimmenden LNG-Terminal Excelsior in die Jade kritisch und fordert eine umfassende und für die Öffentlichkeit nachvollziehbare Überwachung der Auswirkungen auf das Ökosystem. Nach den vorliegenden Angaben darf die Excelsior künftig ebenfalls Chlor zur Reinigung ihres Seewassersystems einsetzen. Dabei können jährlich rund 170 Millionen Kubikmeter chlorhaltiges Prozesswasser in die Jade eingeleitet werden.
Das ursprünglich für das Terminal vorgenommene Ultraschallverfahren hat sich nach Angaben von Betreiber und Umweltministerium als nicht ausreichend funktionsfähig erwiesen. „Wilhelmshaven übernimmt seit Jahren eine enorme Verantwortung für die EnergieversorgungDeutschlands. Diese Verantwortung darf aber nicht dazu führen, dass mögliche Belastungen für unsere Jade einfach hingenommen werden“, erklären UWG-Ratsmitglied Frank Ihnen und der Sprecher für Natur und Umwelt, Markus Kiehling. Für beide ist deshalb entscheidend, dass die mit der Genehmigung verbundenen Umweltkontrollen nicht lediglich auf dem Papier stattfinden. Messwerte, Ergebnisse des Umweltmonitorings und mögliche Veränderungen im Jade-Ökosystem müssen regelmäßig veröffentlicht und für Bürgerinnen und Bürger verständlich dargestellt werden.
Die Jade ist nicht nur Wirtschafts- und Schifffahrtsraum, sondern gleichzeitig ein ökologisch besonders sensibles Gebiet. Gerade deshalb müsse bei solchen Einleitungen besonders genau hingeschaut werden. Zwar soll der Einsatz von Chlor nach Angaben des Landes minimiert und das Ultraschallverfahren weiterhin genutzt werden, wenn es möglich ist.
Für Frank Ihnen muss darüber hinaus jedoch weiterhin intensiv nach Verfahren gesucht werden, mit denen der Einsatz von Bioziden reduziert oder möglichst vollständig vermieden werden kann. „Die Lösung sollte nicht darin bestehen, nach den Problemen mit dem neuen Verfahren dauerhaft auf Chlorung zu setzen. Ich erwarte, dass Betreiber, Bund und Land weiter an umweltverträglicheren Lösungen arbeiten und transparent darlegen, welche Alternativen geprüft und weiterentwickelt werden.“
Die UWG fordert daher die vollständige Veröffentlichung der Ergebnisse des Umweltmonitorings, regelmäßige Messungen der tatsächlichen Chlor- und Nebenproduktbelastung in der Jade, sowie eine nachvollziehbare Bewertung möglicher Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und Wasserqualität. Dabei stellt die UWG die Bedeutung des LNG-Standortes Wilhelmshaven für die Energieversorgung nicht grundsätzlich infrage.
„Energieversorgung und Umweltschutz dürfen in Wilhelmshaven nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer die Energiedrehscheibe Deutschlands sein will, muss auch beim Schutz von Jade und Wattenmeer hohe Maßstäbe anlegen.“
